Wie kamen die Menschen auf die Kugel


Die Geschichte der Weihnachtskugel

Christbaumkugeln gehören mindestens ebenso zum Weihnachtsfest wie der Weihnachtsbaum selbst oder für viele Menschen die Geschenke. In klassischem Rot, modernem Beige oder mystischem Schwarz funkeln sie im Kerzenschein und harmonieren mit dem Grün der Zweige. Doch so lange gibt es diese weihnachtlichen Symbole noch gar nicht, denn vor dem 19. Jahrhundert wurde der Christbaum vor allem mit Äpfeln, Zuckerzeug und anderen Leckereien geschmückt. Später wurde dieser Christbaumschmuck dann mit Silber oder Gold verziert. Zusätzlich wurden Weihnachtsbaumanhänger aus Papier gebastelt und bunt eingefärbt.

Eine Industrie, die sich mit der Herstellung von Christbaumschmuck beschäftigte, gab es zu dieser Zeit noch nicht. Der Baumschmuck wurde in den Familien selbst gefertigt – und zwar jedes Jahr aufs Neue, denn viele der Baumanhänger wurden ja verzehrt. Im Laufe der Zeit wurden Äpfel und Nüsse dann jedoch ganz in Silber oder Gold eingefärbt und damit unverzehrbar gemacht. Damit waren sie bereits Vorläufer der modernen Christbaumkugeln, mussten jedoch ebenfalls – zumindest die Äpfel, die ja irgendwann verfaulen – jedes Jahr aufs Neue angefertigt werden.

Glas – ein faszinierender Stoff

Glas ist ein ungemein faszinierender Werkstoff. Es ist hart und zart zugleich, lässt sich färben und formen, kann gewalzt und gepresst, gegossen und geblasen werden. Man kann Glas bemalen, bedrucken, ritzen und ätzen, es lässt sich auf viele Weisen bearbeiten und mit einfachen technischen Mitteln in die herrlichsten Kunstwerke verwandeln. Am Weihnachtsbaum funkeln und glitzern gläserne Kugeln im Schein der Kerzen und sorgen so für eine magische Weihnachtsstimmung. Handgefertigte Weihnachtskugeln aus Glas sind immer Unikate: Sie sind nicht gleichmäßig rund und glatt wie maschinell gefertigte Kugeln, sondern haben sanfte Wölbungen und leichte Dellen. Keine Kugel ist wie die andere, und doch ist jede von ihnen etwas ganz Besonderes.

Auch an den Wanner-Bäumen funkeln mundgeblasene Glasobjekte. Die Glasbläser in ihren Familienbetrieben im Thüringer Wald, in Tschechien und Polen schaffen es sehr schön, in ihren Kunstwerken Tradition und Moderne zu vereinen und meine formalen und farbigen Vorgaben so umzusetzen, dass am Ende wunderschöne Glasarbeiten mit feinen Formen und vielen Details entstehen.

Schon in der Antike wurden Glasobjekte übrigens nicht nur für alltägliche Gebrauchszwecke, sondern auch zur Dekoration eingesetzt. Wann die Menschen genau entdeckten, dass Quarzsand, Kalk und Soda, wenn sie bei 1400 Grad miteinander verschmolzen werden, den herrlichen Stoff Glas hervorbringen, ist jedoch nicht bekannt. Vermutlich kamen die Ägypter als erste Menschen zufällig diesem wundervollen Geheimnis auf die Spur, als sie versuchten, Glasuren für Töpferwaren herzustellen. Das legen zumindest Glasstücke nahe, die in Ägypten gefunden wurden und auf die Zeit um 5000 vor Christus datiert werden. Sie gelten als die ältesten Glasstücke überhaupt. Von Ägypten gelangte der neue Stoff dann über Griechenland nach Rom und von dort aus zu allen anderen europäischen Völkern. Bis die Kunst der Glasbläserei entwickelt wurde, sollte es jedoch noch ein wenig dauern: Im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt entdeckten die Phönizier, dass sich heisses Glas mit dem Mund in Form blasen lässt.

Für die Glasbereitung wurden riesige Mengen Holz benötigt, um die Hüttenöfen zu befeuern. So entstanden im 16. und 17. Jahrhundert die ersten Glashütten im Thüringer Wald, im Erz- und Riesengebirge sowie im Böhmerwald. Die erste Glashütte im Thüringer Wald, im Volksmund als “Mutterglashütte” bekannt, wurde 1597 von den Glasermeistern Hans Greiner und Christoph Müller errichtet. In den Jahren bis 1923 folgten 16 weitere. Zunächst wurde dort einfaches Gebrauchsglas hergestellt, zum Beispiel Trinkgläser, Bierhumpen, Butzenscheiben oder Fläschchen für die Heilkräuter-industrie. Schon bald gelangte das Lauschaer Glas auch in andere Teile Deutschlands.

Damals wie heute orientierte sich das Design der Glasobjekte an künstlerischen und historischen Vorbildern und Ideen aus aller Welt. Schon früh waren venezianische Ornamente beliebt, die selbst wiederum zu einem Teil auf islamische Einflüsse zurückgehen. Venedig war im 14. Jahrhundert zur führenden europäischen Handelsmacht aufgestiegen. Zu dieser Zeit erlebte auch die venezianische Glaskunst, vor allem auf der Insel Murano, Ihre Blütezeit und gelangte auf den Handelsrouten und Handelsschiffen in alle Herren Länder. Ihre Eleganz, Formen und Muster prägen bis heute die gesamte Glaskunst – auch die der Thüringer Christbaumkugelhersteller.